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Winterüberschreitung Virger Nordkette

Vom 2.-3. März 2021 gelingt den Kalser Bergführern Matthias Wurzer und Vittorio Messini die Winterbegehung der Virger Nordkette (Frosnitzkamm) vom Hintereggerkogel bis zur Galtenscharte in eineinhalb Tagen.

Fakten

1 1/2 Tage
2 Kalser Bergführer
3/4 Zelt
1 Pack Tempos
1/2 Pack Lucky Strike
 

Die Virger Nordkette, auch Frosnitzkamm genannt, befindet sich in den Osttiroler Hohen Tauern nördlich der Ortschaften Matrei und Virgen und erstreckt sich von Osten nach Westen entlang mehrerer abgelegener Dreitausender. Das Gestein entlang dieses ausgesetzten Grates ist meist brüchig und weist nur wenige kompakte Stellen auf, mit ein Grund dass die Gipfeln, bis auf nur wenige Einheimischen, nur selten besucht werden. Im Winter friert das lose Gestein jedoch zusammen und mit entsprechenden Schnee- und Wetterverhältnissen lässt sich eine Begehung durchaus sicherer als im Sommer gestalten.

Diesen Umstand wussten Alois Mariacher, Gerhard Berger, Sigi und Romed Girstmair bereits in den Achtzigern zu schätzen und konnten die erste Winterüberschreitung der Virger Nordkette (Bonn-Matreier Hütte bis Ochsenbug) vom 28.-29. Dezember 1984 vollbringen. 

An die 20 Jahre später fängt eigentlich unsere Geschichte dazu an. In den Jahren 2005-2007 war ich öfters mit meinem damaligen Bergkollegen Martin Mariacher (Alois Mariacher’s Sohn) unterwegs und dabei natürlich auch viel in seinen gut bekannten Bergen oberhalb von Virgen und Prägraten. Öfters redeten wir das Projekt anzugehen, vielleicht im Sommer, denn im Winter schien es uns damals zu schwierig, wer weiss aber wann die Zeit dafür Reif wäre… Leider kam es nicht dazu und sein Bergsteigerleben wurde viel zu schnell unterbrochen. Martin kam 2007 im Abstieg von der Mittereggerspitze in Richtung Galtenkogel ums Leben. Ein tragischen Ereignis, das uns alle bis heute noch sprachlos lässt. Durch die Jahre kam mir das Projekt aber doch immer wieder in den Sinn, doch wollte es bis zu diesem Jahr irgendwie nicht sein. 

Nach einem coolen Trip zum Eisklettern in den Westalpen Mitte Februar, sprachen mein Kollege Motz und ich darüber wieder mal was zusammen zu unternehmen. Das sehr beständige Wetter, die lange niederschlagsfreie Periode und vor allem ein paar freie Tage ließen uns dann das Projekt Virger Nordkette angehen. Am Dienstag, den zweiten März starteten wir um 2:00 Uhr In Zedlach bei Matrei mit Schi und spazierten langsam bergauf in Richtung Wodenalm. Obwohl wir wirklich versucht hatten nur das wichtigste mitzunehmen, war der Rucksack aber doch einfach schwer. Knapp hinter der Wodenalm ließen wir unsere Schi liegen, da der Schnee hart genug war um zu Fuß mit Steigeisen zum Hintereggerkogel aufzusteigen. An wilden „Gleitschneemäulern“ vorbei ging es über den einfachen Rücken auf den ersten Gipfel, den Hintereggerkogel, den wir knapp vor Sonnenaufgang erreichten. Von hier an hieß es dann aufpassen, denn obwohl der Verbindungsgrat zum Ochsenbug nicht schwer ist, ausgesetzt ist er allemal. Nach einer ausgiebigen Rast am meist bestiegenen Berg der Virger Nordkette, ging es weiter auf und ab mit Abseilen, Abklettern ein paar Wächten, zum Kristallspitzl und weiter zur Knörrgn, Misekokt bis zu den Göriacher Röten. Hier legt sich der Grat kurz flach, bevor es hinunter in die Firschnitzscharte geht, die wir am späten Nachmittag erreichten. Über eine Rinne und ein paar coole Mixedlängen ging es auf die Mittereggerspitze, wo wir unser kleines Zelt aufstellten und vorm Abendessen noch einen wahnsinnig schönen Sonnenuntergang erleben durften. Auch wenn man nicht so gut liegt in der Nacht, irgendwann wird es dann Gottseidank doch wieder hell, doch es dauert meist eine Weile bis man wieder etwas in die Gänge kommt. Andächtig an die Tragödie, kletterten wir dass erste Stück von der Mittereggerspitze nicht ab, sondern machten zwei lange Abseiler bis hinunter in die Scharte. Hier änderte sich nun der Charakter der Überschreitung, denn die Kletterei wurde anhaltender über scharfe Zacken und Türme, sowie mit deutlich mehr Schnee, der uns in der Nordseite dann mit Spuren gut ins Schnaufen brachte. Auf den letzten Grat zum Galtenkogel spürte man die Müdigkeit und wir waren froh dann endlich in der Galtenscharte zu sein. Die zwei Türme nach der Maurer Röte mussten aber noch mitgenommen werden um den tiefsten Punkt der Scharte zu erreichen. Hier ging unser Überschreitung zu Ende, Wahnsinn! Oft braucht es Jahre bis man gedanklich so weit ist, hat man es dann gemacht, ist es dann wieder viel zu schnell gegangen. Am frühen Nachmittag nahmen wir dann den schnellsten Weg ins Tal nach Obermauern bei Virgen, wo uns ein guter, etwas lädierter Freund mit Bier und Schnaps beim Auto erwartete, das ist aber eine andere Geschichte…

V.M.